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Bindungsprobleme –euer Ernst?

Hand hoch! Wer kennt es... dieses neumodische Wort „Bindungsproblem“.

Egal ob Bindungsangst, Bindungsphobie oder was auch immer - Menschen mit Bindungsproblemen gibt es en masse. Unsere heutige Gesellschaft (vor allem die jüngere Generation) hat offenbar ein großes selbst kreiertes Bindungsproblem. Man liest und hört es immer wieder, viele identifizieren sich mit dieser modernen Neurose.

Fraglich, ob das vielgenannte Bindungsproblem hier die Schuld an dem weit verbreiteten Single-Dasein hat, oder ob die Menschen vielmehr ein Problem damit haben, (zu) sich selbst zu finden. Den meisten fehlt wahrscheinlich einfach die Geduld und die Zeit dafür, sich mit sich selber auseinander zu setzen. Natürlich obliegt dieses Finden und Streben nach der eigenen Persönlichkeit immer einer stetigen Veränderung. Was wäre der Mensch ohne Veränderungen? Aus Fehlern würde bestenfalls niemals gelernt werden.

Ich gehe schwer davon aus, dass auch die fast unerschöpfliche Auswahl an potentiellen Partnern hier eine Rolle spielt. So war früher noch der Radius einen passenden Partner zu finden durch Verkehrsmittel und Medien relativ begrenzt, so erweitert sich dieser Radius im Zeitalter des Internets jedoch ins unermessliche. Den ein oder anderen wird das sicherlich derart irritieren, das hier schwer eine Entscheidung bezüglich der Partnerwahl getroffen werden kann, welche man letzten Endes vielleicht sogar bereuen könnte. Entscheidungen, eine feste Bindung einzugehen, werden weder besonders gerne noch übereilt gefällt. Lieber springt man von Bekanntschaft zu Bekanntschaft immer in der Hoffnung, das Beste gefunden zu haben. Oder zumindest Ausschau nach dem Besten zu halten, um die nächstbeste Gelegenheit direkt beim Schopfe packen zu können.

Gerade Menschen, deren Streben nach Höherem und etwas Besserem besonders ausgeprägt ist, argumentieren ihre „Entscheidungsschwäche“ gerne mit dem Zauberwort Bindungsangst. Oftmals natürlich völlig unbegründet. Anstatt bei seinem Gegenüber erst einmal nachzufragen, wie man sich allgemein denn eine Beziehung vorstelle, nehmen die meisten von vorneherein schon wieder reiß aus, weil sie schlichtweg überfordert mit der Situation sind.

Ich würde mich selber durchaus als Beziehungsmenschen einstufen, doch bin ich auch schon immer gut mit dem Single-Leben klargekommen. Meine längste Beziehung hielt mal 7 Jahre. Nachdem ich diese aufgrund diverser Stolpersteine beendet hatte, fiel ich zwar erstmal hin, stand aber auch relativ schnell wieder auf und kostete mein neu gewordenes Single-Dasein über 3 Jahre am Stück aus.

Diese 7 Beziehungs-Jahre waren durchwachsen von ewigen Hochs und Tiefs (Details spar ich mir an dieser Stelle), trotzdem muss ich ehrlich zugeben, dass ich mich selber auch noch Jahre später dabei erwischte, immer wieder denselben Typ von Mann attraktiv zu finden, der meinem damaligen Freund ähnelte.

Leider gehörte dieser Typ von Mann stets in Kategorie "Arschloch-Typ", aber was solls… Ich möchte nicht behaupten, das ich viele meiner Jahre an diese Art von Männer verschwendet habe, bin jetzt auch nicht froh über jedes Arschloch was mir in der Zeit über den Weg gelaufen ist, aber diese ganzen Erfahrungen machen einen eigentlich erst zu dem, was man ist.

Wie viele andere Frauen neige auch ich dazu (zumindest war es in der Vergangenheit immer so) etwas zu wenig Stolz und Selbstachtung zu haben, um mich als Person und charakterfeste Persönlichkeit in einer Beziehung durchzusetzen. Oftmals wurde gehandelt und gelebt, um dem Partner zu Gefallen und um Anerkennung anstelle von fehlender Liebe oder Zuneigung zu finden. Keine Ahnung, ob es diesbezüglich auch Vertreter der männlichen Spezies gibt, aber die Dunkelziffer wird hier wahrscheinlich nicht so hoch sein wie bei den Damen. Rückblickend betrachtet, habe ich wahrscheinlich zu vielen „schlechten“ Männern eine Chance gegeben, und sehe in ihnen viel zu lange etwas Gutes, obwohl das Schlechte immer relativ schnell überwiegt.

Natürlich hatte auch ich als Kind stets einen vorgefertigten Plan von meinem Leben – zumindest in meinem Kopf. Mit 21 heiraten, mit 24 das erste Kind, mit 27 das zweite 2 Kind (zuerst einen Jungen, danach ein Mädchen), auf dem Land zu wohnen mit vielen Tieren und einer ganzen Menge Platz.

Zurück zur Gegenwart. Ich wohne alleine in einem viel zu kleinen Appartement. Habe zwar Tiere (hier sind durchaus Parallelen zu erkennen) aber eigentlich keinen Platz. Im Grunde genommen ist alles gut so wie es ist, mir geht es bestens. Meistens jedenfalls. Immer öfter jedoch stelle ich fest, dass andere Menschen nicht verstehen, warum ich immer noch „ungebunden“ und kinderlos in einer viel zu kleinen Wohnung lebe. Natürlich wünsche ich mir einen Mann, für den ich das Allerbeste bin, was ihm je passiert ist. Der mich auf Händen trägt und mir jeden Wunsch von den Lippen abliest - welche Frau wünscht sich so etwas nicht. Allerdings haben die Jahre gezeigt, dass es mir mittlerweile wichtiger ist jemanden zu finden, der mit mir auf Augenhöhe ist, und der sein Leben auch ohne meine Hilfe meistert. Ich benötige keinen Versorger. Ich bin berufstätig und verdiene mir meinen Lebensunterhalt alleine. Natürlich gab es Hin und Wieder den ein oder anderen Mann in meinem Leben, aber irgendetwas hat mir bisher immer gefehlt. Vor allem Eigenschaften die früher selbstverständlich waren (Vertrauen, Respekt, Treue, Ehrlichkeit, Zusammenhalt) sind in der heutigen Zeit immer schwerer zu finden. Ich habe ein paar Exfreunde, einen davon habe ich wirklich von ganzem Herzen geliebt, wobei ich heute nicht mehr sagen kann, woran das letztendlich lag. Er war weder besonders nett, noch sonderlich feinfühlig geschweige denn ein Vorzeige-Mann.

Man hört immer so oft „Nicht suchen, besser finden lassen.“ Aber sind wir mal ehrlich... Wenn ich rund um die Uhr in meinem Büro oder in meiner Wohnung hocke, hilft mir dieser ganze "lass dich finden"-Unsinn auch nicht weiter. Es sei denn du hast wirkliches Interesse daran, deinen Postboten oder Pizza-Lieferanten näher kennen zu lernen. Man sollte schon aktiv und unternehmungslustig sein, sonst wird das nix mit dem Suchen/Finden.

Aber ist das wirklich das Einzige was einen in meinem Alter beschäftigen soll? Ist das der Sinn des Lebens? Familiengründung inkl Nestbau? Jeder hat und setzt in seinem Leben andere Prioritäten. Und gerade diese Prioritäten verändern sich auch mit der Zeit. Ich glaube mittlerweile geht es eher darum, sich erstmal selbst zu kennen und auch so zu akzeptieren. Völlig gleich ob dies der gesellschaftlichen Norm oder dem aktuellen Umfeld entspricht. Woher soll man auch wissen, was man will, solange man eigentlich nicht genau weiß, wer man überhaupt ist?

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich mich in den letzten Jahren sehr verändert hab. Wahrscheinlich hat sich mit den Jahren einfach die Fähigkeit mehr und mehr ausgeprägt, mir mancher Dinge bewusst zu werden, die im Unterbewusstsein sonst verloren gegangen wären. Gerade Selbstreflexion ist in der heutigen Zeit so unheimlich wichtig.

Natürlich gab es auch in meinem Lebens einige Schlüsselmomente, wo mich völlig unbeschönigt die geballte Ladung purer Selbsterkenntnis wie aus dem Nichts getroffen hat. Rückblickend war ich da jedesmal sehr dankbar für - wer weiß wo ich sonst heute stünde.

Bei mir ist mit der Zeit ist einfach die Angst verschwunden, ich Selbst zu sein. Ich habe die Erfahrung gemacht je mehr ich selber ICH bin (ICH, wie ich wirklich bin und wie ich immer sein wollte), desto eher ziehe ich auch Männer an die genau das wollen, nämlich mich.

Mich, unkontrollierbares über die eigenen Füße stolperndes wandelndes Chaos, das sich selbst in den Seitenstrassen ihrer Wohngegend ständig verfährt, mich phasenweise versoffene kaltschnäuzige dusselige Irrsinnredende Verrückte, die nicht besseres zu tun hat, als alle immer zu korrigieren und bei Wikipedia ständig zu googeln und anderen zu beweisen, dass sie doch im Recht ist. Ich kann im Gegenzug aber auch stundenlang auf einer Wiese sitzen und total verzückt meinem Hund beim Löcher-Buddeln oder Spielen zusehen. Das erfüllt mich mit Glück - mit richtigem ECHTEN Glück. Und genau so wird man(n) mich eines Tages lieben – so wie ich bin.

Das Geheimnis glücklicher Liebe ist absolute Zufriedenheit mit sich selbst und vor allem in erster Linie Akzeptanz seines Partners. So ist es nunmal in Freundschaften und genauso sollte es auch in der Liebe sein.

25.4.16 20:59

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